Was als gemeinsame Reise mit Koffern, Instrumentenkoffern und großer Vorfreude begann, wurde zu einem unvergesslichen Erlebnis – für Schülerinnen und Schüler, Lehrende und Alumni gleichermaßen.
Aufbruch mit Vorfreude
Nach intensiver Vorbereitung startete das Ensemble Bella Fortuna – Chor, Big Band und Orchester zugleich – am Freitag, den 13. März 2026, zur Orchesterfahrt nach Wetzlar. Schon das Beladen des Busses an der Waldorfstraße 11 war vom Gefühl gemeinsamer Vorfreude und Aufbruchsstimmung geprägt. Die Reise konnte beginnen!
In der Jugendherberge Wetzlar angekommen, bezogen wir unsere Zimmer, stärkten uns beim Abendessen und widmeten uns mit frischer Energie den ersten Proben. Das gesamte Wochenende stand ganz im Zeichen der Musik – und des Miteinanders.
Eine musikalische Gemeinschaft entsteht
Konzentriertes Musizieren wechselte sich ab mit gemeinsamen Entspannungs- und Kommunikationsübungen, die das Miteinander stärkten. Das Ziel: aus den unterschiedlichen Ensembles – Chor, Big Band und Orchester – eine große, wandelbare musikalische Einheit zu formen, in der Schülerinnen und Schüler von der 7. bis zur 12. Klasse miteinander in Kontakt kommen und voneinander lernen.
Große Unterstützung erfuhren wir dabei von unseren Alumni, die mit Erfahrung, Tatkraft und Begeisterung dabei waren – ein schönes Zeichen dafür, dass die musikalische Gemeinschaft auch über die Schulzeit hinaus lebendig weiterlebt.
Leica, Licht und ein besonderes Mittagskonzert
Ein besonderes Highlight war das professionelle Fotoshooting mit einem Leica-Fotografen sowie die gemeinsamen Proben mit dem Leica-Chor unter der Leitung von Johannes Quiring – ein inspirierender Austausch, der unseren Horizont musikalisch wie menschlich erweitert hat. Das anschließende Mittagskonzert im Foyer der Leica Zentrale hat uns dabei große Freude bereitet.
Da, wo Mauern atmen lernen – das Konzert in der JVA Rockenbach

Eingangstor der JVA Rockenbach
Einen der tiefgreifendsten Momente der gesamten Fahrt erlebten wir beim Auftritt in der JVA Rockenbach – einem Jugendgefängnis. Was das bedeutet hat, beschreibt Stefan David Hummel, der musikalische Leiter der Fahrt, in seinen eigenen Worten besser als jede Zusammenfassung es könnte:
Rockenberg, 17.3.2026
Da, wo Mauern atmen lernen
Wir fuhren los mit dem Orchesterbus, beladen mit Violinen, Violen, Celli, Flöten, Klarinetten, Fagott, Saxophonen, Trompete, Posaunen, Horn, Perkussion, Klavier – und mit Stimmen, Neugier und einer leisen Unsicherheit.
Ein Konzert ja, aber keines wie sonst. Diesmal führte der Weg nicht in einen „goldenen“ Saal, sondern dorthin, wo Türen von innen verriegelt sind. Der Innenhof der Jugendvollzugsanstalt – ein harter Ort, von dem man meint, dass hier Stille, Scham, Rohheit und Schuld wohnen. Doch kaum waren wir angekommen, spürte ich etwas, das man nicht benennen kann – eine gespannte Freundlichkeit, das zarte Beben der Möglichkeit, dass hier etwas geschehen könnte, das heilt.
Das Tor fiel zu. Ein dumpfer Klang, wie ein Punkt am Ende eines langen Satzes. Und dennoch: Es begann etwas. Vertrauen lag in der Luft – kein Misstrauen, keine Kontrolle, nur die unausgesprochene Bitte: „Lasst uns gemeinsam Mensch sein.“
Wir bauten auf – unsere Bühne, unsere Instrumente. Da standen wir, wo sonst das Leben angehalten wird. Und plötzlich war da Klang, war Bewegung, war Atem. Ein heller Raum, früher Kantine, heute Begegnung. Die Luft vibrierte vor Erwartung. Dann kamen sie – die Jugendlichen, die Gesichter mit Geschichte, anders, verletzlich, wachsam, neugierig, miteinander vertraut. Sie traten ein, und für einen Moment war es, als hielte die Welt den Atem an, um zu schauen, was jetzt geschehen würde.
Der erste Ton, das erste schwungvolle Stück, das zum Mitklatschen einlud – und mit ihm fiel etwas von uns allen ab: Distanz, Angst, das Bild vom Anderen. Unsere Musik und der willensstarke Beat des gemeinsamen Klatschens floss in alle Richtungen – fühlbar, ehrlich, unverteidigt.
Wir spielten Elgar – Chanson de Matin und plötzlich war es still. Diese tiefe, volle Stille, in der niemand mehr urteilt, sondern einfach hört.
Dann Sound of Silence – ein Lied, das atmet wie ein stilles Gebet. Ich wusste: Hier berührt Musik das, was Sprache längst nicht mehr erreicht.
Später lachten wir gemeinsam, als der Chor Don’t Stop Me Now sang und der ganze Raum vor meinen inneren Augen zu tanzen begann, als hätte sich die Schwerkraft für ein paar Minuten aufgehoben.
Da war pure Freude – uneingeschränkt, wach, echt.
Die Big Band legte nach: Muppet Show, Hello Dolly, The Preachers – jeder Beat eine Öffnung, ein Ja zum Leben.
Dann mit dem gesamten Orchester die Filmmusik aus Fluch der Karibik – The Black Pearl. Auch ihre eigene Band dort spielt in ihren Sessions diese Musik – und plötzlich trafen sich zwei Welten im gleichen Rhythmus, wie Wellen, die sich in der Mitte des Meeres erkennen.
Schließlich Mozart – die fabelhafte g-Moll-Sinfonie, drängend, leidenschaftlich, und ich schwor, man konnte in den Gesichtern sehen, wie sich etwas zu verwandeln begann.
Zum Schluss erklang Viva la Vida von Coldplay. Heute, im Jetzt, feierten wir gemeinsam das Leben – einen Moment des Annehmens, des Muts, der Verwandlung.
Einen vorsichtigen Weg hin zur Vergebung? zu jenem „Du bist so, wie du bist“…. und zu dem Glauben an Dich und mich. Ein Augenblick, in dem wir spürten, dass das Leben uns ständig neu ruft – voller Neugier, offen für das, was noch kommen mag.
Nach dem Konzert – Gespräche, scheue, echte, dankbare Worte. Ein Junge sagt, er wolle Geige lernen, ein anderer schweigt, mit feuchten Augen.
Und als wir das Gebäude verließen, standen sie an den Türen, durften nur ein kleines Stück hinaus, und winkten. Ein Winken, das blieb – nicht wie ein Abschied, sondern wie ein Versprechen auf ein Wiedersehen!.
Im Nachklang: Ein ganz normaler, unfassbar besonderer Moment war geschehen – junge Menschen machten Musik füreinander, und das genügte, um die Welt neu zu denken.
Und ich denke: Vielleicht sind solche Orte unsere Prüfsteine – ob wir wirklich glauben, dass niemand verloren ist.
Hier war keine Dunkelheit, sondern Licht, das sich weigerte zu verlöschen.
Denn Resozialisierung ist kein Zustand, es ist ein Akt der Gemeinschaft.
Ein Auftrag, den die Gesellschaft an sich selbst hat: Leben wieder zum Klingen zu bringen, wo es stumm geworden ist.
Als wir später im Bus sitzen, müde, bewegt, wissen wir: Das war kein Auftritt. Das war ein Gespräch zwischen Seelen. Ein Raum, der uns alle verändert hat. Ein Tag, an dem Musik das wurde, wozu sie geschaffen ist: Erinnerung daran, dass Menschlichkeit niemals versiegt – solange jemand zuhört.
in Dankbarkeit, Stefan David Hummel
Zurück nach Salzburg – und direkt auf die Bühne
Nach ereignisreichen Tagen, intensiven Proben, bewegenden Auftritten und wertvollen Begegnungen führte unsere Fahrt schließlich zurück nach Salzburg – und mündete direkt in den traditionellen Tag der Musik. Dort konnten wir die Früchte der Reise präsentieren: mit vielfältigen Klängen, starker Bühnenpräsenz und spürbarem Teamgeist.
Ein besonders wunderbarer Moment war das gemeinsame Musizieren von über 100 Schülerinnen und Schülern beim Abschlussstück: Viva la Vida!
Dank
Die musikalische Leitung der Orchesterfahrt lag in den Händen von Stefan David Hummel, Heike Mund und Michael Walter, die mit großem Engagement und Herz diesen unvergesslichen musikalischen Aufbruch begleitet haben. Ihnen und allen Beteiligten gilt unser herzlicher Dank.




