Waldorfpädagogik

Eines gleich vorweg: Waldorfschulen sind keine Weltanschauungsschulen. Die anthroposophische Lehre als solche ist nicht Gegenstand des Unterrichts. Rudolf Steiner verstand unter Anthroposophie eine umfassende („kosmologische“) Anschauung des Menschen und der Welt. Detaillierte Informationen finden Sie auf der Seite der Anthroposophischen Gesellschaft.

Die Waldorfpädagogik bezieht sich auf die Beobachtung und das Verstehen der Entwicklung der Kinder und Jugendlichen. Methodik und Didaktik beziehen sich auf das Lebensalter ebenso wie auf die Entwicklungsbedürfnisse. Auch der Unterricht ist ganzheitlich: Eine wissenschaftliche Grundhaltung, die künstlerische Gestaltung und spirituelle Offenheit sind wesentliche Elemente. Kognitive, kunsthandwerkliche und praktische Lernfelder sind gleich gewichtet (Kopf, Herz und Hand) – ganzheitlich, fächerübergreifend werden die Schüler*innen gefordert, ohne zu überfordern.

Kinder aller Begabungsstufen fühlen sich bei uns wohl: Kinder, die beispielsweise im mathematischen oder musikalischen Bereich hochbegabt sind, haben manchmal Defizite im sozialen Umgang oder im Handwerklichen. Wir lassen ihnen Zeit für ihre individuelle Entwicklung, damit sie zu selbstbewussten, zufriedenen, interessierten und schöpferischen Menschen werden. Nicht nur Künstler*innen, Politiker*innen oder Unternehmer*innen schicken ihre Kinder in die Waldorfschule. Eltern aller Berufssparten und Einkommensbereiche erkennen, wie wichtig ein gesunder Bildungsweg für ihre Kinder ist.

Epochenunterricht

Mathematik, Natur- und Kulturwissenschaften, Deutsch und Fremdsprachen sind die Grundlagen für wissenschaftlich fundiertes Wissen und fachliche Kompetenz. Nur ein lebendiger, fantasievoller Unterricht motiviert zum Lernen. Deshalb ist der Lehrstoff so gestaltet, dass Wissen erlebbar wird und in einem lebenspraktischen und ganzheitlichen Zusammenhang steht. Der Unterricht fördert die individuellen Fähigkeiten, nicht die schnelle Anhäufung von temporärem Prüfungswissen.

In unserer Informations- und Wissensgesellschaft ist es erforderlich, dass Zusammenhänge erkannt und Fakten richtig eingeordnet werden können. Handwerkliche und künstlerische Fächer verstärken in der Waldorfpädagogik das kognitive Lernen. Dadurch wird das Urteilsvermögen geprägt, Aufmerksamkeit in der Wahrnehmung und die differenzierte Ausbildung des Willens werden gefördert, Kreativität geschult und der Blick für Gesetzmäßigkeiten geschult. Zusätzlich bauen gerade diese Fächer Brücken zu den sozialen, ökologischen und kulturellen Herausforderungen unserer Zeit.

Epochen geben den Takt in der Waldorfschule an, nicht Stunden. Jeweils rund vier Wochen können sich die Schüler*innen in den ersten beiden Schulstunden mit nur einem Hauptfach beschäftigen. Diese Form des Unterrichts ermöglicht eine besonders intensive Auseinandersetzung mit dem Stoff und die Vertiefung in den Lerninhalt. So haben die Kinder beispielsweise in der 1. Klasse vier Wochen lang jeden Morgen zwei Stunden Lesen/Schreiben, in der folgenden Epoche dann Rechnen, Formenzeichnen oder ein anderes Hauptfach bis wieder eine Deutschepoche beginnt. Den Lehrplan zum Download finden Sie hier.

Fachunterricht

Im Anschluss an den Epochenunterricht findet im Tageslauf der Fachunterricht statt, in der Unterstufe als integrierter Gesamtunterricht. In der Mittel- und Oberstufe steht der Aspekt des kontinuierlichen Übens in kleinen Gruppen im Vordergrund. Besonders in den Fächern Eurythmie, Malen, Musizieren, Handwerken, Handarbeiten und bei gemeinsamer sportlicher Bewegung sind kleine Gruppen ideal. Im Fremdsprachenunterricht werden in der Regel klassenübergreifende Gruppen als Basis- und Vertiefungskurse geführt.

Sprachen

Der Sprachunterricht ist in Waldorfschulen nicht nur eine Anleitung zum Erlernen fremder Sprachen und zum richtigen Gebrauch der Muttersprache. Der waldorfpädagogische Ansatz für den Fremdsprachenunterricht unterscheidet sich hauptsächlich darin von anderen, dass er sich an den Schüler*innen und altersgemäßen Inhalten im Rahmen eines Gesamterziehungskonzeptes orientiert. Jeder Sprache wohnt ein Geist inne, der in spezifischen Offenbarungen und in der unterschiedlichen Bilderwelt der einzelnen Sprachen zum Ausdruck kommt. Die Waldorfschüler*innen unserer Schule lernen bereits ab der 1. Klasse Englisch und Russisch. In der Oberstufe kann auch Französisch gewählt werden.

Russisch ist eine der Hauptsprachen in Europa, in der Wirtschaft bildet sie eine Brücke zu den slawischen Völkern. Die russischen Lautformen erfordern eine differenzierte Artikulation, fördern die Tiefenatmung und verfeinern die Ausbildung des Gehörs durch mehr Hoch- und Tieftöne als andere Sprachen. Das Erlernen der kyrillischen Schriftform regt die Beweglichkeit des Denkens an und schafft eine Grundlage für das spätere leichte Lernen von Fremdsprachen.

Klassenverband

Die Klasse bleibt idealerweise zwölf Jahre zusammen. Sie wird zu einer tragenden Gemeinschaft, die über die Jahre wächst, sich gemeinsam entwickelt, Quereinsteiger*innen integriert und keine Sitzenbleiber*innen zurücklässt. Viele Freundschaften, auch unter den Eltern, bestehen ein Leben lang. Alle Schüler und Schülerinnen durchlaufen ohne Sitzenbleiben 12 Schuljahre.

Beurteilung

Die beschreibenden Zeugnisse bieten eine ausführliche, individuelle Beurteilung. Diese beschreibt die Leistung im Verhältnis zu den unterschiedlichen Begabungen und Lernfortschritten in den einzelnen Fächern. Nicht alleine der Wissensstand zählt, sondern auch die Gesamtentwicklung über einen bestimmten Zeitraum. Auf Anfrage erhalten die Schüler*innen selbstverständlich auch ein staatlich anerkanntes Schulzeugnis bzw. Abschlusszeugnis.

Abschluss CSE und Matura

Die Waldorf-Schullaufbahn wird durch die 12. Schulstufe mit dem international anerkannten Abschlusszertifikaten (Level 1–3) des Certificate of Steiner Education (CSE) abgeschlossen. Der Level 3 berechtigt zum Studium an allen Hochschulen.

In einer 13. Schulstufe kann zusätzlich die staatliche Matura am Abendgymnasium Salzburg erworben werden.